Erbsenzähler und Korinthenkacker
18. Februar 2009 | Thema: Geflügelte Worte, SprachbetrachtungAls Lektorin macht man sich häufig unbeliebt. Lektorinnen sind unverbesserliche Besserwisserinnen, penetrante Prinzipienreiterinnen, peinliche Pedantinnen, quengelige Wortklauberinnen, krämerhafte Klugscheißerinnen, pingelige Korinthenkackerinnen und rechthaberische Erbsenzählerinnen.
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Obwohl es schon sehr auffällig ist, dass sich hier gleich zwei Begriffe finden, die merkwürdigerweise etwas mit den doch gemeinhin als unsauber geltenden Ausscheidungsorganen zu tun haben, wo es doch einer Lektorin (oder ihrem männlichen Pendant) immer (auch) um die Sauberkeit und Reinerhaltung der deutschen Sprache geht – möchte ich auf dieses Thema nicht näher eingehen, sondern lieber erläutern, was es etymologisch mit den Erbsen und Korinthen auf sich hat:
Korinthen sind getrocknete Trauben in Kleinstform. Ein Korinthenkacker ist ein Pedant, ein kleinlicher Mensch, der sich noch nicht einmal bei der Abführung seiner Verdauungsendprodukte großzügig zeigt, sondern diese nur in Miniportionen – korinthenähnlich – abgeben will.
Wer zu viel Zeit hat und auch noch geizig ist, bricht beim Erbsensammeln nicht einfach nur die Schoten auf, sondern zählt die kleinen grünen Eiweißperlen genau ab. (Kein Wunder, dass das Schimpfwort “Erbsenzähler” vielfach auf Verwaltungs- und Finanzbeamte angewendet wird.) Den Begriff selbst verdanken wir höchstwahrscheinlich dem berühmten Genetik-Begründer Gregor Johann Mendel, der jahrelang Erbsen züchtete, zählte und kreuzte und von seinen Klosterbrüdern deshalb liebevoll “Erbsenzähler” genannt wurde. Leider wurden Mendels bahnbrechende Erkenntnisse der Vererbungslehre erst viele Jahre nach seinem Tod angemessen gewürdigt.
Nun ja, damit können wir Lektoren und Lektorinnen uns ja damit dann ein bisschen trösten, wenn wir uns mal wieder verkannt fühlen – vielleicht kommt unser Ruhm ja auch noch posthum … ;-)
(Foto: Andreas Müller, pixelio.de)
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18.Februar 2009 um 10:44
In der Schweiz ist man leider nicht charmanter, oder was hälst Du von Tüpflischisser?
18.Februar 2009 um 10:51
Ja,und Dippelschisser gibts auch noch. In Österreich heißts: I-Tüpferlreiter, das klingt nicht ganz so unanständig :-)
18.Februar 2009 um 12:09
Dank deiner einleitenden Worte weiß ich jetzt wenigstens, warum ich null Freunde habe, warum die Nachbarn immer die Fensterläden zuklappen, wenn ich die Straße entlang gehe, und warum Kinder bei meinem Anblick zu weinen beginnen. Ich dachte schon, es liegt an meiner Frisur. Bin ich nun erleichtert …?
18.Februar 2009 um 12:17
@Julia: Nee, ich fürchte, du hast da jetzt ganz falsche Schlüsse gezogen. Es sei denn, du lektorierst auch ständig im mündlichen Dialog mit Freunden, Nachbarn und Kindern. Solche solls ja auch geben, nicht wahr?
Ansonsten – hab ich nur als Tipp: Wechsel mal den Friseur :-)
18.Februar 2009 um 12:38
@Elke: Ich glaube, ich verströme wohl einfach Lektoren-Aura. :-)
Und mein Friseur ist ein Knaller: http://2raum.com/wp/?cat=2
18.Februar 2009 um 12:44
Du läufst mit einer 2raum-Architektenfrisur durch Siegen und wunderst dich über zuklappende Fensterläden und weinende Kinder …
18.Februar 2009 um 12:59
Ich hätte meine Frisur niemals erwähnen dürfen! Jetzt würde ich mir glatt die Haare raufen, wenn ich nicht ganz schonend mit Marcos Werk umgehen müsste!
18.Februar 2009 um 13:13
Ich muss doch mal überlegen, ob ich hier im Kommentarblock nicht die hübschen kleinen Avatare einbauen soll!
18.Februar 2009 um 13:17
Auf meinem Avatar sieht man eh nur meine große Nase! (Was passiert eigentlich, wenn eine Erbsenzählerin sich ein Wortduell mit einer Korinthenkackerin liefert – wird das je entschieden, oder landen die beiden in einer Endlosschleife?)
18.Februar 2009 um 13:32
Mädels, jetzt müssen wir mal wieder ernst werden. Das Ganze wird nun OT.
18.Februar 2009 um 13:49
FACK. Sry. EOD.