Etwas auf dem Kerbholz haben

28. September 2009 | Thema: Geflügelte Worte

Nein, nicht durch die gestrigen Bundestagswahlen bin ich auf diesen Ausdruck gestoßen, auch wenn diese Vermutung naheliegt, schaut man sich das geballte Politiktheater so an. Vielmehr las ich die Erklärung für diese Redewendung mit großem Vergnügen im neuen Mathebuch meines Sohnes …

Wer heutzutage etwas auf dem Kerbholz hat, hat etwas Unrechtes, manchmal sogar eine Straftat begangen. Wer im Mittelalter etwas auf dem Kerbholz hatte, war entweder ein Schuldner oder ein Gläubiger. Denn ein Kerbholz war ein Zählstock, auf dem etwas markiert werden konnte: Warenlieferungen, Arbeitsleistungen oder Schulden. Dann wurde der Holzstab der Länge nach geteilt und je eine Hälfte behielten Schuldner und Gläubiger für sich. Bei der Abrechnung konnte so nicht geschummelt werden, denn wenn sich die Kerben beim Aufeinanderlegen nicht entsprachen, stimmte etwas nicht.

Eine moderne Abwandlung dieser Methode gibt es heute noch, wenn der Wirt in der Kneipe mit Strichen auf dem Bierdeckel die Anzahl der Getränke vermerkt …



2 Kommentare zu Etwas auf dem Kerbholz haben

  1. Heike

    “Etwas auf dem Kerbholz” haben ist sozusagen die Vorstufe von “ein Schlitzohr sein” …

  2. Elke Hesse

    Wenn man so will. Wobei das Schlitzohr ja wirklich ein Zeichen für einen Betrüger war… Wann sich die eigentlich doch eher neutrale Bedeutung von “etwas auf dem Kerbholz haben” (denn das galt ja sowohl für Schuldner als auch für Gläubiger) in so eine rein negative verwandelt hat, habe ich leider nicht ermitteln können.

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