Happy birthday, Schiller!
10. November 2009 | Thema: Geflügelte Worte, SprachbetrachtungFriedrich Schiller wurde heute vor 250 Jahren geboren. Ich weiß nicht, ob es noch viele Menschen gibt, die freiwillig seine Dramen und Balladen lesen, aber was ich ganz sicher weiß, ist, dass viele Menschen sehr oft Schiller zitieren, ohne sich darüber bewusst zu sein. Es gibt wahrscheinlich kaum einen Dichter, von dem ähnlich viele geflügelte Worte in den sprichwörtlichen Gebrauch geraten sind. Hier einige Kostproben (man beachte auch das Werkstatt-Zitat der Woche):
Früh übt sich, was ein Meister werden will.
Die Axt im Haus erspart den Zimmermann.
Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben,
wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt!
Drum prüfe, wer sich ewig bindet …
Der Wahn ist kurz, die Reu ist lang.
Was ist der langen Rede kurzer Sinn?
Das Maß ist voll.
Von der Stirne heiß
rinnen muss der Schweiß.
Es ist noch nicht aller Tage Abend.
Seid umschlungen, Millionen.
Donner und Doria.
Drinnen waltet die züchtige Hausfrau.
Wie kommt mir solcher Glanz in meine Hütte?
Hinter dem U kommt gleich das Weh, das ist die Ordnung im ABC.
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10.November 2009 um 15:11
“Ich weiß nicht, ob es noch viele Menschen gibt, die freiwillig seine Dramen und Balladen lesen” – oh, Elke! Das hoffe ich doch!
Bei keinem Stück kann ich so herzlich weinen wie bei “Maria Stuart”. “Die Jungfrau von Orleans” ist ein KNALLER! “Kabale und Liebe” – was für ein tear jerker (den Ausdruck habe ich erst vor 3 Minuten frisch gelernt, wenn das mal nicht passt). Und “Die Braut von Messina”, mannomann, dagegen ist “Verbotene Liebe” ja überhaupt nichts! (Na gut, ist es ja sowieso nicht …)
Ich gebe zu, ich habe das alles nicht “freiwillig” gelesen (halt, doch – zumindest “Maria Stuart” schon), sondern im Rahmen meines Literaturstudiums; da macht man sowas halt. Außerdem war mein Lieblingsprof Schiller-Experte; ich hatte keine andere Wahl, als mich mit dem guten Mann zu beschäftigen. Wie auch immer: Diese Dramen sind fantastisch! Ich hoffe mal, der eine oder andere liest das noch “freiwillig” – gegen Schiller ist Goethe meiner Meinung nach ehrlich überbewertet. ;-) Liest DEN eigentlich noch jemand?
Ach ja, übrigens: Happy Birthday auch von mir, Fritze!
10.November 2009 um 15:22
Du ein Schiller-Fan, das hätte ich ja nun nicht vermutet …
Aber du hast natürlich recht, meine Anspielung sollte auch leicht ironisch sein, im Grunde ist es ja auch klüger, die Dramen nicht zu lesen, sondern sich im Theater anzugucken. Das Problem ist wahrscheinlich bloß, ein Stück zu finden, das noch in der Schillerschen Originalsprache gezeigt wird.
10.November 2009 um 15:43
Ach, darüber lässt sich trefflich streiten, ob Dramen ihre Wirkung erst entfalten, wenn sie aufgeführt werden. Ich behaupte: Nein. Sie sind halt eine ganz eigene Kunstform, ihre Dramatisierung dann eine andere …
Aber zurück zum Wesentlichen – was soll das denn bitte heißen:
“Du ein Schiller-Fan, das hätte ich ja nun nicht vermutet …”
Wen hättest du mir denn zugeordnet? James Krüss und Rosamunde Pilcher? ;-)
10.November 2009 um 15:49
Nö, Matt Groening und Stephenie Meyer ;-)
10.November 2009 um 15:58
Jetzt sag nicht, ich habe dir meine gut verheimlichte Edward-und-Bella-Leidenschaft mal im Vertrauen gestanden – und du trötest das nun in die Öffentlichkeit hinaus?!
By the way findet sich selbst bei Frau Meyer ein bisschen Schiller: Lies mal “Über das Pathetische” aus seinen theoretischen Schriften und danach Sätze wie “In einer Welt, in der du nicht lebst, will ich nicht existieren”!
Naja, “Erhabenes” wird sich bei den Vampiren eher nicht finden lassen, und nur das schafft laut Friedrich wahre Katharsis. Aber trotzdem! (Immerzu funktionierendes Totschlagargument!) ;-)
13.November 2009 um 11:30
“Und drinnen waltet die tüchtige Hausfrau” – das ist wirklich genial. Daraus sollten wir T-Shirts machen lassen!
Was mir zu Schiller noch einfällt? Dass sein Name von “schielen” kommt. Aber das ist ja völlig unwichtig …