Ich bin eine Eule
25. Oktober 2009 | Thema: In eigener Sache
Heute durfte ich eine Stunde länger schlafen. Rein theoretisch, natürlich. (Für alle, die immer noch nicht wissen, ob sie die Uhr zur Winterzeit vor- oder zurückstellen müssen, verweise ich auf Spring forward and fall back!) Aber solange man ein Kind daheim hat, das eine Lerche ist, die ohne Probleme am frühen Morgen bereits fröhlich in den Tag hineinzwitschert, ist das mit dem Ausschlafen so eine (Glücks-)Sache. Ich gehöre nämlich zur anderen Vogelsorte. Ich bin eine Eule. Eulen haben ihre aktivste und leistungsfähigste Zeit nicht morgens wie die Lerchen, sondern abends. Gelernt habe ich das von Herrn Roenneberg im taz-Artikel Aufwachen! Herr Roenneberg ist Biologieprofessor und erforscht seit 40 Jahren die innere Uhr des Menschen. Und er bestätigt wissenschaftlich, was ich schon immer ahnte:
“Entgegen einem allgegenwärtigen Gesellschaftsbild hat die innere Uhr nichts mit Disziplin zu tun”, erklärt Roenneberg, “sondern mit Genen.” Er kämpft dafür, dass die innere Uhr als echtes biologisches System ernst genommen wird. “Bei uns herrscht immer noch so eine Reiß-dich-zusammen-Mentalität, wenn man erwähnt, wie schwer es einem fällt, morgens früh aufzustehen.”
Ha, genau so ist es. Bei mir ist es nämlich völlig wurscht, ob ich um 9 Uhr abends oder um 1 Uhr nachts ins Bett gehe: Ich bin, wenn ich durch meine Kinder gezwungenermaßen unter der Woche um 6.30 Uhr aufstehen muss, immer, immer, immer müde. In Deutschland gibt es nach Herrn Roenneberg einen leichten Eulenüberhang. Na bitte!
Schul- und Arbeitszeiten sind deshalb generell zu früh angelegt, meint er. “Der Idealfall wäre natürlich: Schmeißen Sie Ihren Wecker weg, schlafen Sie ein und wachen Sie auf, wenn es Ihre innere Uhr sagt.”
Erwähnte ich schon, dass ich Herrn Roenneberg sehr sympathisch finde?
Und jetzt kommt das Beste:
Um Schlafmangel zu vermeiden und leistungsfähig zu bleiben, verbinden viele unbewusst Chronotyp und Beruf. Künstler oder Schriftsteller haben meist die Freiheit aufzustehen, wann sie wollen, dadurch sammeln sich hier die Eulen. Manager hingegen sind eher Lerchen, hier ist Leistung am Morgen zwingend.
Ich gehöre also mehr zum künstlerischen Typ, ist ja völlig klar, :-) Und mein Jüngster wird dann wohl mal Manager. Na prima! Da kann ich mich auf die Zukunft freuen: Wenn ich in vielen Jahren hemmungslos nach meiner inneren Uhr leben darf, werde ich richtig kreativ und schreibe endlich den Roman meines Lebens, nachts natürlich. Gedanken darüber, woher das Geld für die Miete kommt, muss ich mir dann nicht mehr machen, weil mein Sohn inzwischen ein bestbezahlter Manager (vermutlich beim FC Bayern) ist und seiner alten Mutter eine nette Eigentumswohnung in der Stadt gekauft hat. Was für herrliche Aussichten!
(Foto: Holger Bach, pixelio.de)
RSS-Feed des Blogs abonnieren


26.Oktober 2009 um 19:20
Dann sollten wir uns zum Sprachgespräch am frühen Nachmittag treffen, ich gehöre nämlich zu den Lerchen. Aber für einen Manager hat es immer noch nicht gereicht ;0)
26.Oktober 2009 um 22:56
Danke für die Vision – jetzt sehe ich klarer: Reicher Sohn, tolle Wohnung, dem Fußball sei dank! So wird es bei mir auch laufen. Ja, das sind doch mal echte Perspektiven für emanzipierte, selbstständige Frauen unseres Schlages, hihi.
Aber die Sache mit der Eule – ist da eigentlich schonmal erforscht worden, welche Rolle das Alter spielt? Früher nämlich, als junge Eule, da war ich morgens zu nichts zu gebrauchen, lief aber gegen Ende des Tages zur Hochform auf. Heute als nicht mehr sooo junge Eule bin ich morgens noch genauso handlungsunfähig wie damals, aber blöd ist jetzt, dass ich abends auch nicht mehr handlungsfähig, sondern müde bin. Das ist echt schlecht fürs Arbeiten… Zum Glück muss ich das ja dann nicht mehr, wenn ich alt und reich bin. Harr. Harr.
27.Oktober 2009 um 10:15
@Gudrun: Hmmm, zum Glück beobachte ich dieses Phänomen noch nicht an mir, obwohl wir uns wahrscheinlich altersmäßig ziemlich nahe stehen. Ob ich dich damit trösten kann, dass es ja angeblich so etwas wie senile Bettflucht gibt und du einfach warten musst, bis du dieses Stadium erreichst) ;-)
28.Oktober 2009 um 13:29
Gibt´s auch etwas zwischen Lerche und Eule für die, die – wie ich – weder frühmorgens noch abends zu geistigen Höchstleistungen fähig sind?
28.Oktober 2009 um 15:32
@Heike: Ich fürchte, da gibt es (noch) keine Vogelart, dann gehört du einfach zu den “Normaltypen”. Aber ich hab grad was entdeckt, das Institut für Medizinische Psychologie bietet einen Chronobiologie-Testfragebogen an, hier: http://hwz-muenchen.de/index.php?id=977
29.Oktober 2009 um 21:24
Das ist ja interessant! Ich gehöre auch zur Gattung der Eulen, obwohl ich mich frage, ob Nachtigall auch zählt? Singen die wirklich bevorzugt in der Nacht? Etymologisch schon ;-)
Einen Wecker nutze ich nur im Notfall, ansonsten läuft eben der AB.