Taschentricksereien
22. November 2009 | Thema: In eigener SacheLetzte Woche warf mir Julia das zweite Blogstöckchen meines kurzen Bloggerlebens zu und ich dachte nur, och neee, wen um alles in der Welt soll denn bitteschön interessieren, was sich hierin:

verbirgt? Schöne Tasche, gell? Eine meiner absoluten Lieblingshandtaschen. Nicht zu klein, nicht zu groß, strapazierfähig, tolles Leder und schick!
Na ja, aber ich sollte eigentlich zeigen, was ich darin so mit mir rumtrage. Nun war es so, dass letzte Woche Mittwoch hier in Bayern schulfrei war. Nicht etwa wegen der grassierenden Schweinegrippe, wie ihr vielleicht jetzt denkt, sondern wegen des Buß- und Bettages. Ja, ihr habt richtig gehört. Erinnert sich vielleicht jemand außerhalb Bayern noch daran, was der Buß- und Bettag eigentlich ist? Aber ich merke, ich schweife ab, darüber werde ich dann wohl mal einen eigenen Blogbeitrag schreiben müssen.
Jedenfalls ist dieser ehemalige Buß- und Bettag zwar auch hier im Bayernland kein Feiertag mehr, aber aus mir völlig unerfindlichen Gründen glaubt das bayerische Kultusministerium, dass die Schulen an diesem Tag besser geschlossen bleiben sollten. Nun ja, vermutlich deshalb, damit all die Mütter schön beten und büßen müssen, die es wagen, arbeiten zu gehen, obwohl sie schulpflichtige Kinder in die Welt gesetzt haben.
Ich hatte also letzten Mittwoch meine Kinder den ganzen Tag zu Hause und brauchte für den Jüngsten (der Älteste musste lernen) eine Beschäftigungstherapie. Und da verfiel ich auf eine absolut geniale Idee. Mein Jüngster, stolze 8 Jahre alt, ist ein Bastel- und Malkünstler sondersgleichen. Also erzählte ich ihm von Julias Stöckchen, kippte meine Handtasche vor ihm aus und bat ihn, den Inhalte derselben auf ein Blatt Papier zu bringen. Was soll ich sagen? ER WAR BEGEISTERT. Und begab sich voller Inbrunst unversehens an die Arbeit, indem er erst mal sinnvolle Gruppen bildete. (Ebenso machte ich mich an die Arbeit und begab mich zum Schreibtisch, innerlich grinsend und waaaaahnsinnig stolz auf mich.)
Und hier das Ergebnis im Gesamtpaket:

Und damit man die künstlerische Gestaltung noch besser zu würdigen weiß, hier noch Detailfotos (nein, nicht von den Tampongs ;-)):

Zur Erläuterung: Für einen achtjährigen Knaben sind all diese komischen Stifte, mit denen man sich die Lippen bemalt, Labelos. Wie er allerdings darauf kommt, einen blauen Stift mit der Aufschrift Niveha zu malen, ist mir gänzlich unergründlich, denn so etwas besitze ich gar nicht.
Was ich auch nicht wusste, war, wie viele Stüfte sich in einer einzigen Handtasche von mir befinden, aber nicht umsonst zähle ich mich ja zur schreibenden Zunft und muss immer und überall ein Schreibgerät dabei haben. Papier zwar nie, aber frau kann ja schließlich auf Servietten, Bierdeckel, Papiertaschentücher und notfalls noch auf den eigenen Arm schreiben.
Nun zu den, räusper, Dingen, auf die ich nicht so stolz bin, die ich aber auch nicht leugnen will. Das sind einmal die Silims-Zigareten, die eine mir wohlbekannte jüngere Dame neulich erst bei einem Netzwerktreffen recht ordinär als Nuttenstengel bezeichnet hat *pffffff* und dann noch die dazugehörigen Streichhölzer, die mein Sohn übrigens interessanterweise bei seiner Anordnung nicht nebeneinander legte. Rätselhaft auch, wieso er sich die unendliche Mühe machte, den drohenden Warnhinweis auf der Zigarettenschachtel abzuschreiben, die Marke selbst jedoch dankenswerterweise nicht der Erwähnung wert fand.


Ganz besonders gelungen finde ich auch die detailgetreue Darstellung meines Schlüselbundes. Leider habe ich nicht auf die Uhr geschaut, sodass ich nicht sagen kann, wie lange mein Jüngster an diesem Meisterwerk gesessen ist. Aber ihr könnt euch denken, dass ich sehr begeistert war und ihn tüchtig gelobt habe.
Wir haben dann auch gleich fotografiert und ich bin sicher, er wird gleich als Erster diesen Beitrag hier mühsam entziffern und kommentieren. (Mama, was sind denn Nuttenstengel?)
Ach, vielleicht lasse ich es ihn besser doch nicht lesen …

Nachtrag: Ach herrje, völllig vergessen, das Stöckchen weiterzureichen. Also, hiermit an Corinna vom Foodkomm-Blog, die uns sicherlich gern mal ihre Einkaufstasche ausschütten und erzählen mag, was sie so alles tagtäglich an gesunden Lebensmitteln einkauft; und dann noch an das Wortfeilerchen, deren Handtasche bestimmt auch einiges Aufschlussreiche zu bieten hat.
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22.November 2009 um 20:40
Na da hast du ja mal nicht zu viel versprochen – und auf das Anheuern eines jugendlichen Illustrators wäre ich mal wirklich nie gekommen … :-)))
Respekt, das ist wirklich ein raffiniertes und überaus charmantes Oeuvre. (“Mama, was ist ein Oeuvre?” wäre doch auch schon besser als die Frage nach den Nuttenstengeln. Wer war denn die jüngere Dame, hm?)
Was mich aber noch schlaflos hinterließe, würde es nicht zeitnah beantwortet: Was ist denn dieses Grüne neben dem Weißen, vertikal zwischen Geldbörse und Silims zu finden?
Und ich hoffe, nach dem originalgetreuen Bildnis der Schlüsel kann sich jetzt kein Bösewicht einen Ersatzschlüsel gießen … ;-)
23.November 2009 um 00:04
Boh, ich bin beeindruckt! In dieser Aktion steckt mehr Kunst, als ichs für möglich gehalten hätte! Sollte ich doch mal das Kind (4 Jahre) fragen, ob er was für mich malen könnte? :)
23.November 2009 um 10:04
Klasse! Der Blick des Künstlers fürs Detail ist sehr bemerkenswert. ;-)
23.November 2009 um 10:34
@Tina: Oje, hoffe, du konntest heute Nacht trotzdem schlafen. Das Grüne neben dem Linsenreiniger ist eine Tube “Kamele Hand & Neil Intensif Handkreme”, so der Original-Schreiblaut. Inklusive einer allerliebsten halben Kamillenblüte ;-)
@Andrea: Nur zu, würde ich sagen. Ich glaub, dich hat das Stöckchen doch auch getroffen, oder?
@Ines: Ja, ich glaube auch, das könnte Zukunft haben, aber leider ist Sohnemann momentan noch fest davon überzeugt, dass er lieber Profifußballer werden will …
23.November 2009 um 12:05
Puh, da ist mein Blog gerade erst drei Wochen online und schon kommt das erste Stöckchen angeflogen. Ihr neugierigen Mädels bringt mich ganz schön in Verlegenheit. Ich wollte doch eingentlich absolut seriös über Ernährung und Kommunikation schreiben. Außerdem habe ich gerade gaaar keine Zeit. Aber ich werde mir schon was einfallen lassen … ;-)
23.November 2009 um 12:15
@Corinna: Aber meine Liebe, du darfst ja auch absolut seriös schreiben. Ich hab doch eh schon mit dem Zaunpfahl gewunken, das war ein richtig dicker Stock, der da angeflogen kam … ;-)))))))
23.November 2009 um 13:15
Frau Hesse, das war tricky! Ich ziehe meinen Hut vor Ihnen!
@Tina: Die “jüngere Dame” bin übrigens ich. Und ich schwöre, ich habe lediglich vollkommen harmlos im Rahmen einer komparativen sprachwissenschaftlichen Betrachtung Einblick in mein kopfinternes Synonym-Wörterbuch gegeben. So heißt das halt bei uns Westfalen! ;-)
25.November 2009 um 11:58
Dein Kind ist ein Künstler! Wäre schade um jedes Utensil gewesen, das er nicht hätte zeichnen müssen, wenn du die Tasche vorher ausgemistet hättest …
25.November 2009 um 13:13
Hab das Kind doch nicht gefragt und nur ein schnödes Foto gemacht. Kind ist (noch) in seiner abstrakten Phase, man hätte sowieso nichts erkannt, und außerdem hatte er keine Lust. Tschaaa. Aber vielleicht kehrt diese Aktion in ein paar Jahren wieder, dann lasse ich ihn malen. ;)
28.November 2009 um 17:56
Buß- und Bettag kenne ich sehr wohl. Sachsen ist nämlich das einzige Bundesland, wo Kinder und Eltern zu Hause bleiben dürfen. Ok, die Eltern zahlen für diese Freiheit reichlich über 100 EUR in die Rentenkassen ein, aber ein freier Tag zwischendurch finde ich immer noch sehr attraktiv :0))
Die Bilder sind cool!
30.November 2009 um 11:03
Mich erstaunt es nicht.
Liebe Vorrednerinnen: So sind wir Männer.
Schon im Kindesalter Genies.
Leider kommt dieses Genie dann später im harten Alltag in den meisten Fällen zu kurz, da wir damit beschäftigt sind, Weibchen zu hegen und zu pflegen. Aber wir geben diesen verborgenen Schatz an unsere Kinder weiter. Oft getarnt als Modelleisenbahn, Nintendo oder Playstation – oder Angeln.
3.Dezember 2009 um 12:49
das ist ja mal genial!
Viele Grüße an den tollen Künstler, so schön ist wohl noch nie der Inhalt einer Damenhandtasche dargestellt worden!
Ich bin beeindruckt…
18.Dezember 2009 um 09:00
[...] Elke Hesse von Wort-gestalten hat mir eine goldene Brücke gebaut: Ich könnte ja auch meine Einkaufstüten öffnen. Elke, du [...]
18.Dezember 2009 um 09:19
Spät, aber immerhin ist nun der “dicke Stock” endlich in meinem Blog angekommen. War wohl zu beschäftigt mit Brote schmieren ;-)
Nun ist das Geheimnis meines Rucksacks gelüftet. Wer wissen will, was die Ernährungswissenschaftlerin im Büro isst:
http://www.foodkomm.de/2009/12/was-die-ernahrungswissenschaftlerin-im-buro-isst/