Worte und Werke

holzbuchstaben_3_by_bernd-ehrhardt-werbegrafiker_pixeliodeAuch in einer Textwerkstatt wird gehobelt und geschliffen, gefeilt und gesägt. Dabei entstehen Wortgestalten, und es bleibt meist etwas übrig.

Wörter und Sätze. Beobachtungen und Erkenntnisse. Zu schade zum Wegwerfen. An dieser Stelle sollen sie aufgehoben sein.

Viel Vergnügen beim Lesen wünscht Elke Hesse.
Das ist ein interaktives Blog: Kommentare sind erwünscht!

Sommerspiele: Sprach(de)montagen

Auf der Website des Schweizer Textkollegen Aurel Gergey habe ich ein nettes Wörterbuch entdeckt, das zum Mitmachen einlädt: Man soll sich lustige Definitionen für gängige Begriffe ausdenken, die bisher verborgene, aber grundsätzlich denkbare, weil im Wort anklingende Bedeutungen haben. Das klingt komplizierter, als es ist. Also her mit Beispielen:

Was könnte ein Gendarm sein? Ein geklontes Verdauungsorgan.

Was verbirgt sich hinter einem Truthahnlockruf? Ein Computer.

Und umgekehrt: Wie heißt ein US-Bürger mit Zitronenallergie? Aminosäure.

Wie lautet wohl das Paradies der Kaminfeger? Und eine Auszeichnung für schweigsame Hunde? Ein ganzer Mann ist ein …? Und wie bezeichnet man das Warten auf den Briefträger?

Mit all diesen rätselhaften Fragen, die uns die deutsche Sprache stellt, verabschiede ich mich dann jetzt mal in den prähistorischen Baumbewuchs, äh, ich meinte natürlich Urlaub.

Wenn das Netzwerk zum Rettungsnetz wird

Ich habe hier schon oft auf mein virtuelles Netzwerk hingewiesen, die vielen Kolleginnen aus dem Texttreff, ohne die mein berufliches Dasein mit Sicherheit ganz anders verlaufen wäre und ohne die ich mir meinen Freelanceralltag absolut nicht mehr vorstellen kann. Dass dieses Netzwerk viel viel mehr als nur beruflicher Selbstzweck ist, viel mehr als der Austausch geschäftlicher Informationen und Probleme, viel mehr als zum Teil höchst amüsante Prokrastination – das beweist es in diesen Tagen:

Unserer Mittextine Carola, die seit den Gründungstagen des TT gemeinsam mit ihrem Mann Oliver aktiv, ehrenamtlich und mit viel Herzblut und Engagement für unser Netzwerk arbeitet, ist in der Nacht zum vergangenen Samstag die komplette Wohnung abgebrannt. Sie, ihr Mann und die zweijährige Tochter konnten sich gottseidank und grade noch aus den Flammen retten, aber stehen jetzt vor dem Nichts. Nein, das stimmt nicht ganz, denn ganz viele Menschen aus dem realen Leben sind grade dabei, der Familie zu helfen und sie mit allen Kräften zu unterstützen, sich wieder eine neue Existenz aufbauen zu können. Muss ich betonen, dass ganz viele dieser Menschen aus dem realen Leben ursprünglich aus dem virtuellen Leben kommen? Weiterlesen »

Wenn Kameruner nach Berlin kommen …

… heißen sie einfach Pfannkuchen. Warum das so ist? Nein, nein, das hat nichts mit der derzeitigen Fußball-WM zu tun, bei der das Team Kameruns ja vorzeitig ausgeschieden ist. Und auch nichts mit dem Gerücht, dass unser Loddar, also Lothar Matthäus, bei den “Unzähmbaren Löwen”, so nennen sich die afrikanischen Spieler selbst, grad als Nationaltrainer im Gespräch ist.

Was Kameruner mit Krapfen, Berlinern, Mutzen und Pfannkuchen verbindet, kann man im neuen Duden-Kalender 2011 nachlesen:  Auf gut Deutsch! Rechtschreibung, Grammatik und Wortwahl einfach erklärt, den ich gemeinsam mit meiner Kollegin Ines Balcik geschrieben habe. Darin sind wir auch der Frage nachgegangen, ob der Meerrettich etwas mit Meer zu tun hat, was eigentlich Großkopferte sind und was einem in Schweden auf den Tisch gestellt wird, wenn man ein Glas Öl bestellt.

Außerdem gibt es zahlreiche kleine Übungseinheiten zu Fragen der Rechtschreibung, Grammatik und Zeichensetzung.

Dass Ines und ich als Autorinnen zwar im Kalenderimpressum selbst stehen, aber sowohl bei Amazon als auch bei der Verlagswebsite selbst nicht genannt wurden, haben wir bereits angemahnt. Mühsam ist der Kampf auf schreiberische Anerkennung. Dabei sind die Texte für so einen Abreißkalender für die Marke Duden mindestens so anspruchsvoll wie für ein “normales” Buch.

So ein Kalender hat immerhin so um die 312 Abreißblätter, die vorne und hinten bedruckt sein wollen. Und die Texte sollen nicht nur sprachlich 150-prozentig korrekt sein, sondern auch noch feingeistig, amüsant und lehrreich. Dass uns das diesmal wieder gelungen ist, können wir nur hoffen … und sitzen weiterhin schwitzend an unseren Beiträgen für den Kalender 2012.

Mark Twain für Wörterseeschwimmer

„Wenn der literarisch gebildete Deutsche sich in einen Satz stürzt, sieht man nichts mehr von ihm, bis er auf der anderen Seite des Atlantischen Ozeans mit dem Verb zwischen den Zähnen wieder auftaucht.“

Aus dem Buch “Mark Twain für Boshafte” , herausgegeben von Günter Stolzenberger, Insel Taschenbuch.

(Foto: Maria Lanznaster, pixelio.de)

Herrliche Sprachrätseleien

Ich bereite jeden Monat ein Thema für meinen Leserattenclub vor, bei dem ich mich mit 7- bis 10-jährigen Grundschulkinder in der örtlichen Bücherei treffe und wir gemeinsam Geschichten lesen, spielen, rätseln, basteln, malen, CDs anhören oder auch mal Ausflüge machen. Unser nächstes Treffen ist den Maars gewidmet, dem berühmten und kongenialen Paul Maar (das ist der, der unter anderem das Sams erfunden hat) und seine etwas weniger berühmte Tochter Anne Maar, die aber ebenfalls Schriftstellerin und Drehbuchautorin und Theaterleiterin (www.anne-maar.de) geworden ist.

Die beiden haben zusammen das wirklich sehr empfehlenswerte Buch “Mehr Affen als Giraffen” geschrieben, das im Oetinger Verlag erschienen ist, und das neben Geschichten von Vater und Tochter auch Rätsel und Bilder, z. B. köstliche Drudels enthält. Eine Art von Sprachspielerei hat mich besonders begeistert, nämlich Sätze zu erfinden, in denen alle Buchstaben des Alphabets vorkommen bis auf einen einzigen. Und den gilt es zu finden.

Beispiel gefällig?

Liebe Tante Helga, stell dir vor, was Xaver gemacht hat: Er jagte auf Sylt die Quallen durch lautes Klopfen aus dem Wasser!

Na, fehlenden Buchstaben gefunden?

Oder hier:

»So ein ekliger Quatsch«, seufzt Yvonne und pult Xaver den braunen Regenwurm aus der Nase.

Die beiden Beispiele sind dem Buch entnommen. Und hier ein Satz, den ich selbst kreiert habe (macht echt Spaß): Weiterlesen »

Einfach stimmlos ausatmen!

Der isländische Vulkan mit dem (fast) unaussprechlichen Namen Eyjafjallajökull macht uns ja ganz schön zu schaffen. Jetzt habe ich aber dank dem Belles Lettres Webmagazin für Dichter und Denker 1. gelernt, dass so gar nicht der Vulkan, sondern der Gletscher heißt, unter dem sich dieser Vulkan verbirgt, und dass 2. dieses Wort in drei Bestandteile zerlegt werden kann, die bedeuten Inselbergegletscher.

Und noch spannender finde ich, wie im Sprachmagazin die richtige Aussprache dieses Zungenbrechers erklärt und auch vorgeführt wird:

Die grobe Aussprache lautet ääj-ja-fjatt-la-jöch-küt-ll, wobei das letzte ll ein stimm­loses Aus­atmen ist. Das ch in jöch ist ein deutlich hörbarer Hauchlaut.

Herrlich, hier auch zum Direkt-Reinhören: eyjafjallajokull-aussprachetraining.mp3

Heißen, aber aschefreien Dank an Belles Lettres! :-)

100. Todestag Mark Twain

Heute vor 100 Jahren ist Mark Twain im Alter von 75 Jahren in Connecticut gestorben. Wenn ich seinen Namen lese, denke ich sofort an Huck. Ich glaube, Huck war meine erste große Liebe. Na ja, eigentlich Marc di Napoli, der den Hucklebbery Finn 1968 in dem ZDF-Vierteiler gespielt hat. Was habe ich von diesem verwegenen Blondschopf geträumt … mir ausgemalt, wie ich an seiner Seite am Mississippi lebe und abends am Lagerfeuer liege …

(Also, nicht dass hier komische Rechnungen aufkommen:  Ich kann diesen Vierteiler unmöglich im Jahr 1968 gesehen haben, da war ich nämlich noch viel zu klein, sondern irgendwann später als Wiederholung … ;-))

Aber romantische Erinnerungen beiseite, dieser Mark Twain war ja ein extrem genauer Beobachter des amerikanischen Bürgertums und außerdem noch ein sehr scharfzüngiger dazu. Eines der wohl beliebtesten Zitate auf Texterinnen-Websites ;-) stammt von ihm:

Der Unterschied zwischen dem richtigen Wort und dem beinahe richtigen ist derselbe Unterschied wie zwischen dem Blitz und einem Glühwürmchen.
Aber er hat noch einige andere schöne Zitate von sich gegeben und anlässlich des 100. Todestags möchte ich hier ein paar davon zum gütlichen Gebrauch aufführen: Weiterlesen »

Lesen als sträfliche Belohnung

Letzte Woche in der SZ einen anrührenden Artikel gelesen über einen kreativen Jugendrichter in Fulda, der die Jugendlichen zu einer ganz besonderen Strafe verdonnert: Sie bekommen drei bis sechs Wochen Zeit, um einen Roman zu lesen. Dazu müssen sie einen Aufsatz schreiben und Fragen beantworten. Es gibt eine Liste mit 14 Titeln, je nach Täterprofil,  Liste hier nachzulesen.

Wer in Schule und Familie Probleme hat und selbst gewalttätig geworden ist, muss z. B. “Evil” von Jan Guillou lesen. Darin geht es um heftige Gewalthandlungen in einem Internat. Beschrieben werden die Angriffe, aber auch, was sie bei den Opfern auslösen. Andere Titel handeln von Mobbing, von sexueller Gewalt, von Drogen, Alkohol, Integrationsproblemen.

Wichtig ist natürlich, dass Sozialpädagogen über die Bücher mit den Jugendlichen sprechen. Nach Auskunft einer Betreuerin hat sich das Projekt bei 15 Jugendlichen, die zum Lesen verurteilt wurden, bereits gelohnt. Die Jugendlichen finden sich in den Büchern wieder, denken über sich und ihr Leben nach. Als ich den SZ-Artikel las, musste ich spontan an das berühmte Kafka-Zitat denken: Ein Buch muss die Axt sein für das gefrorene Meer in uns.

Und weil ich danach recherchiert habe, kann ich es jetzt auch in einem größeren Zusammenhang zitieren und ich finde, jeder Satz darin ist es wert, gelesen zu werden. Kafka schrieb 1904 an seinen Freund Oskar Pollak:

Ich glaube, man sollte überhaupt nur solche Bücher lesen, die einen beißen und stechen. Wenn das Buch, das wir lesen, uns nicht mit einem Faustschlag auf den Schädel weckt, wozu lesen wir dann das Buch? Damit es uns glücklich macht, wie Du schreibst? Mein Gott, glücklich wären wir eben auch, wenn wir keine Bücher hätten, und solche Bücher, die uns glücklich machen, könnten wir zur Not selber schreiben. Wir brauchen aber die Bücher, die auf uns wirken wie ein Unglück, das uns sehr schmerzt, wie der Tod eines, den wir lieber hatten als uns, wie wenn wir in Wälder vorstoßen würden, von allen Menschen weg, wie ein Selbstmord, ein Buch muß die Axt sein für das gefrorene Meer in uns.

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Frühlingsglücksgefühle

Blauer Himmel. Sonnenschein. Die 20-Grad-Grenze gesprengt. Im Garten die ersten Frühlingsblumen. Und ein Kunde, von dem ich länger schon nichts mehr gehört hatte, grad am Telefon: „Sie sind immer noch unsere Nr. 1!“

Na, wenn das mal kein absoluter Glücksmoment ist!

(Foto: Rainer Sturm, pixelio.de)